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Klenkes Oktober 1985

Musikalisches Erntedankfest

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Aachen ist dann in der zweiten Oktoberhälfte Veranstaltungsort für die vier bemerkenswerten Konzerte des 2."Geöffnete Ohren"-Festivals vom 20.-27.10.. Am Sonntag, 20.10., Martin Fredebeul (sax), Lutz Felbick (org) und Am Leidner (perc) in der Dreifaltigkeitskirche, Zollernstraße. Gespannt bin ich hier, wie die drei inzwischen bereits weit über Acichen hinaus bekannten Musiker mit den akustischen Qualitäten der Kirche umgehen werden. Am Dienstag, 22.1 0. geht es dann weiter mit der auch hier schon beachteten "Kölner Saxophon Mafia' im Martin Luther Haus, eine Gruppe verrückter Kölner Musiker, die durch den intelligenten und geschickten Einsatz von 6 Saxophonen die offenen Ohren wegzublaen versuchen werden. So das nicht gelingen sollte: Der Aachener Geheimtip heißt "Double X Proiekt', am Freitag, den 25.10. im Martin Luther Haus zusammen mit "Sticken-In', mit Ausschnitten aus ihrer Grau-Schau, ihrer letzten LP, und mit neuem Material. Last not least Peter Sonntag mit seiner Bass-E-Tronic-Band am Sonntag, den 27.10., ebenfalls im Martin Luther-Haus. Mit drei Bassisten und einem Schlagzeuger stellt diese Forrnation die Betonung des Basses als "emanzipiertes' Instrument in den Vordergrund. Langeweile ist nicht zu befürchten, gehört doch Peter Sonntag zu den in aller Welt gefragten Sound- und Stimmungsspezialisten auf seinem Instrument, dessen Klang er noch zusätzlich mit etlichen elektronischen Effekten verfremdet.

Bleibt nur zu hoffen, daß neben den eh schon offenen Ohren noch weitere geöffnet werden und die Veranstaltungen bei ihren niedrigen Preisen so überfüllt sein werden wie sie es verdienen. Sind es doch die seit langem ersten Versuche, in Aachen wieder Jazz zu präsentieren, der überregionale, ja internationale Bedeutung hat. Wer Ohren hat zu hören, der öffne sie und höre gefälligst Jazz, was sonst?

Erntedankfest? Als Heide nicht der orthodoxen, kirchlichen Begriffsbestimmungen verbunden, liegt mir die Metapher dennoch nahe: Der Jazz als Frucht einer politschen und kulturellen Revolte muß wieder neu gepflückt, gegessen, ausgeschissen und somit neu ausgesät werden, soll er sich den verändernden Strukturen um. ihn herum anpassen können und sich mit ihnen verändern, eine permanente Revolte. Dazu gehört aber auch, daß man ihn sich aneignet, ihn in sich aufsaugt, sonst gibt's Fallobst.

Z' Kay